RDD Mobiltelefoninterviews für die Publikumsforschung? Erkenntnisse eines Methodentests im Oktober 2010

Max Müller

Die Nutzung von Mobiltelefonen in der sozialwissenschaftlichen Befragung wird in der Öffentlichkeit und in der Fachwelt, nicht nur in der Schweiz, heftig diskutiert. Unterdessen herrscht die Annahme vor, der Rückgang der Haushalte, die über Festnetztelefone erreichbar sind, habe eine für telefonische Befragungen kritische Grösse erreicht. Für die sozialwissenschaftliche Methodendiskussion sind deshalb parallele Befragungen über verschiedene Medien von zunehmender Bedeutung, je häufiger Noncoverage-Effekte auftreten. Umfragen über Mobiltelefone stellen besondere Ansprüche an die Forschungsmethodik, da es sich um klassische Mixed-Mode-Befragungen handelt, die unterschiedliche Auswahlverfahren und unterschiedliche Befragungssituationen in einem Konzept vereinigen müssen. Erstmals in der Schweiz wird im Rahmen eines Methodentests (Pretest CoRolAR) ein konsequentes Random Digit Dialing (RDD) Verfahren in einem Feldexperiment getestet und dokumentiert. Dabei wurden eine Reihe von Erkenntnissen gewonnen, wovon einige ausgewählte vorgestellt werden. 1. Der in der Medien- und Mediensozialisationstheorie diskutierte, und für die Publikumsforschung relevante, Unterschied zwischen dem Gebrauch vom Mobil- und Festnetztelefonen liegt im unterschiedlichen Habitus der beiden Medien. Das Festnetztelefon im Haushalt wird als institutionalisierte Kommunikationsform von Haushalten betrachtet. Dagegen ist das Mobiltelefon ein Kommunikationsmedium, das der persönlichen Kontrolle und dem persönlichen Besitz unterliegt. Das Gespräch über Mobiltelefone besitzt Authentizität in Form von Vertraulichkeit und bietet Reputation und Prestige. Aus diesen Gründen lassen sich Interviews über Mobiltelefone mit tieferen Verweigerungsraten realisieren als Interviews über Festnetztelefonanschlüsse. 2. Unterschiede im Antwortverhalten zwischen Mobiletelefon- oder Festnetztelefoninterviews werden vorerst nicht festgestellt. Dagegen unterscheidet sich die Soziodemografie der Festnetz- und Mobileinterviewbefragten. Über Mobiltelefone können jüngere Personen zwischen 15 und 34-Jahren deutlich und - mit geringeren Effekten – berufstätige Männer besser erreicht werden. Dazu wird ein Testverfahren vorgestellt und mit den Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Fachgruppenpanels (hoffentlich) kritisch diskutiert.